Protestkundgebung vor dem Ministerium für Ländlichen Raum (MLR) am 17.02.21


20.02.2021

Bericht von unserer Susanne über die Protestdemo vor dem MLR in Stuttgart gegen gnadenlose, rechtswidrige Kälbertransporte. Ca. 40 Aktivist*innen waren zwischenzeitlich da, um uns zu unterstützen. Dafür sagen wir DANKE!!!

 
Natascha erklärte die Vorgeschichte des unseligen Erlasses vom 1.2.21 von Minister Hauk. Nun liegt es also an Herrn Minister Hauk, ob er den Landkreis Ravensburg bei einer Feststellungsklage untersützt, damit endlich die grausamen Tierkindertransporte Gegenstand eines Hauptsacheverfahrens werden und die Chance besteht, dass sie endlich verboten werden!. Herr Hauk hätte dafür schon jahrelang Zeit gehabt, diese Feststellungsklage mit unterstützend auf den Weg zu bringen. Was hörten wir heute von Bediensteten des MLR? Eine Feststellungsklage auf den Weg zu bringen, dauere so lange! Dann lassen wir es und machen gar nichts...oder wie sollen wir das verstehen? Wie war das noch? In einigen Briefen haben Mitglieder von der XOrga Herrn Minister Hauk und den Landkreis Ravensburg schon über ein Jahr auf die Notwendigkeit einer Feststellungsklage aufmerksam gemacht. Keine Reaktion, kein Wille? Nun, die Corona-Zeiten haben uns gezeigt, dass wenn etwas wirklich wichtig ist, manche bürokratischen Hürden schneller genommen werden können. Aber: Kälber sind ja nur ein Abfallprodukt der kranken Milchindustrie, was gehen die Politiker*innen, wie Minister Hauk und die Richter*innen vom VG Sigmaringen und vom VGH Mannheim eigentlich diese "wertlosen" Kreaturen an?Wenn die Politik tatsächlich etwas ändern wollte, dann ginge eine Feststellungklage um einiges schneller...Hallo Ihr Politiker*innen und Jurist*innen, könnte das Euer Zitat sein: "Es sind ja nur Tiere sagen wir, wenden uns ab, während der Teufel an unserer Seite mitgeht und einen langen Schatten wirft." (Bea Kälni)
 Nichtsdestotrotz: Wir haben vor Herrn Minister Hauks Ministerium unüberhörbar laut in Sprechchören skandiert, was wir fordern:FESTSTELLUNGSKLAGE - und das SOFORT!
 
 Unsere Dani las zudem ihre berührende und zu Herzen gehende Geschichte zum Kälbchen "Niemand" vor. Hier könnt Ihr diese nachlesen.
Musikalisch unterstützt wurden wir von Liedermacherin Annette Rudert.

Auch die Presse berichtete:

Badische Neueste Nachrichten
SWR Aktuell
(bitte zum Lesen der Artikel die Links anklicken)

Nachtrag zur Protestkundgebung

20.02.21

Zu unserer Protestaktion erschienen aus dem Ministerium zwei Vertreter*innen, als Natascha gerade dabei war ihre Rede vorzutragen. Wer allerdings glaubt, diese seien allein aufgrund unserer Aktion zu uns gestoßen, weil sie uns wahrgenommen hatten, den müssen wir leider enttäuschen. 

Gedächtnisprotokoll von Natascha zu dem Gespräch: 
Minister Hauk war an diesem Tag selbst nicht im Ministerium. Unsere Ankündigung erfolgte bereits eine Woche zuvor per Mail. Wenn man gewollt hätte, hätte man sich auf uns vorbereiten und von sich aus Gesprächsbereitschaft zeigen können. Aus unserem X ORGA Kreis gab es gestern noch vor Ort - über Umwege - Kontakte zu Herrn Hauk persönlich. Dieser wurde informiert, dass ein Haufen Tierschützer*innen vor seinem Ministerium stünden, und daraufhin wurden die beiden Mitarbeiter*innen aus dem Ministerium damit beauftragt, zu uns zu stoßen.
Nach meiner Rede sprach ich sie an, und wir kamen ins Gespräch. Zunächst verwiesen beide darauf, dass der Tierschutz Herrn Hauk ein großes Anliegen sei. Aus diesem Grund habe er die Kälbertransporte letztes Jahr auch verboten. Nun habe der VGH (Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg) diesen Erlass gekippt, und Herr Hauk sei dazu angehalten, diesen Erlass auch umzusetzen. Das wurde auch nicht von uns in Abrede gestellt. Des Weiteren teilte frau mit, dass der Inhalt dieses neuen Erlasses nicht die Rechtsauffassung des Ministers wiedergebe, sondern die Rechtsauffassung der beiden Verwaltungsgerichte erläutern würde. Frau sagt mir, dass wir vor der falschen Örtlichkeit stünden. Sie verwies auf Frau Klöckner und die EU. Ich sagte ihr, wenn wir uns zerteilen könnten, würden wir überall gleichzeitig dort stehen, wo die Verantwortlichen für diese Transporte sitzen. Heute stünden wir nun mal hier und sähen nach wie vor Herrn Hauk auch in der Verpflichtung, weiterhin alles in seiner Macht stehende zu unternehmen, diese Transporte zu unterbinden! Sie betonte dabei, dass auch Baden-Württemberg bei der letzten Bundesratsentscheidung am 12.02.21 FÜR die Beendigung von Tiertransporten in Drittländer gestimmt habe, was doch zeige, dass der Tierschutz auch im Interesse des Herrn Hauk läge.
Frau Klöckner sei nun in der Pflicht, entsprechendes auf EU Ebene anzuleiern. 

Ich wurde gefragt, was wir denn nun von Herrn Hauk konkret erwarten würden? Man habe alles getan, was im eigenen Zuständigkeitsbereich getan werden konnte. Herr Hauk könne sich dem Erlass nicht widersetzen und der Erlass sei nicht anfechtbar. Danke, das wissen wir bereits. Daraufhin erwiderte ich, dass er dennoch ANDERE rechtliche Möglichkeiten habe, die sehr wohl dazu geeignet seien, Kälbertransporte zu verbieten, nämlich die sog. FESTSTELLUNGSKLAGE...und dies sei auch nicht erst seit gestern eine rechtliche Handhabe.
Mir wurde entgegnet, ob uns bewusst sei, dass eine solche Klage Jahre dauern könne und wir doch ein Interesse daran hätten, kurzfristig etwas gegen diese Transporte zu unternehmen. Der Landkreis Ravensburg habe nun bereits zweimal eine Niederlage vor Gericht erhalten. Dieser würde sich eine weitere Klage wohl sehr genau überlegen….und auch Herr Hauk habe ein Interesse daran, bei weiteren rechtlichen Schritten vorab genau zu überlegen und abzuwägen, ob dies Erfolg haben könne. 
Plötzlich räumte man hier ein, dass diese Feststellungsklage durchaus eine Möglichkeit darstelle, die man auch durchaus schon im Auge habe und prüfen werde. (Mein Eindruck: dies sagte er, weil er um diese Möglichkeit natürlich weiß und vielleicht auch etwas überrascht war, dass wir tatsächlich auch wissen, worüber wir sprechen.) Ich entgegnete dazu, dass ich ihn beim Wort nehmen werde und wir das definitiv weiter im Auge behalten werden. Dies sei derzeit unsere konkrete Forderung an Herrn Hauk.

Des Weiteren lobte man die neue Strategie, welche Herr Hauk auch intensiv unterstützen würde. Nämlich, die Regionalvermarktung von Kälbern im eigenen Land. Hierbei müssten die Landwirte jedoch auch mitziehen. So sei es möglich, die Anzahl der Kälbertransporte zu reduzieren. 
Ich entgegnete, dass hierdurch aber das eigentliche Problem des Kälberüberschusses doch nicht gelöst werde. Dazu meinte eine der beiden Gesprächspartner*innen, dass die Landwirt*innen von ihrer Arbeit leben müssten und versuchte hier auch die Notwendigkeit von Lebendtiertransporte im Allgemeinen zu rechtfertigen. Des Weiteren wurde die Verantwortung prompt an die Verbraucher*innen abgegeben: „der Verbraucher müsse auch bereit sein, mehr für Milch und Fleisch auszugeben.“ Auch dies würde dazu beitragen, dass sich der Konsum reduziere. Hieraus entstand eine Grundsatzdiskussion, wieso es überhaupt in den letzten Jahren zu einer „Geiz ist geil“ Mentalität im Lebensmittelbereich kommen konnte. Sie fragte mich, was ich mir denn vorstellen würde, wie man dieses Problem lösen soll. 
Meine Antwort: hierzu sei es dringend notwendig und wichtig, dass auch hierzulande der Konsum von Milch- und Milchprodukten drastisch reduziert werden müsse. Wie sollen wir ansonsten diesen Überschuss verhindern? Dies wurde vehement und lautstark abgeschmettert. Man werde den Konsumenten nicht vorschreiben, was und wieviel er essen dürfe. Die Entscheidung müsse noch jeder selbst für sich und an der Ladentheke treffen.Ich entgegnete, angesichts dieses erheblichen Leids, welches an Millionen von Tieren aufgrund dessen verursacht wird, dürfe eine solche persönliche Entscheidung nicht mehr im Vordergrund stehen und auch hier sei Politik in der Verantwortung, entgegenzuwirken. Dies wurde vom Ministerium völlig anders gesehen und man pochte darauf, dass wir die Landwirtschaft und die Landwirt*innen bräuchten!
(Unsere Gedanken dazu: Richtig, aber ohne Tierhaltung)

Fazit aus diesem Gespräch:
1. der Tierschutz MUSS dringend raus aus den Landwirtschaftsministerien!
Das darf einfach nicht länger einem Ministerium unterliegen, das vorrangig die Interessen der Bauernschafft vertritt. Wir fordern ein eigenes Tierschutzministerium!! 
Ein dringendes Anliegen, welches wir Tierrechtsaktivisten unbedingt fokussieren müssen!
2. ALLE Beteiligten agieren wie immer. Die Verantwortung wird stets an andere Stellen weitergereicht und/oder der Ball wieder zurückgeworfen. Niemand ist Willens wirklich etwas gegen diese Ausbeutung zu unternehmen und Schritte bis zum Ende zu gehen.

Die Länder, wie auch Herr Hauk, sehen nun Frau Klöckner in der weiteren Pflicht, und sie wird den Ball wieder an die Länder zurückwerfen. Kennen wir doch bereits.....



Annette live facebook


Zum Thema "Kälbertransporte":


07.02.2021

Leider gibt es schon wieder schlechte Nachrichten bezüglich Kälbertransporte. 
Gerade eine Woche ist es her, dass wir vor dem Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Mannheim unseren Protest mit einer Traueraktion zum Ausdruck gebracht haben. Der VGH hatte den Tierexporteuren (KälberKontor Süd GmbH ) recht gegeben, dass die Kälbchen weiterhin bis nach Spanien transportiert werden dürfen. Nicht nur uns Tierrechtler*innen ist klar, dass für so junge Tierkinder die Fahrt im LKW eine Tortur ist, insbesondere da es keine LKW gibt, die für Kälbertransporte ausgerichtet sind. Das bestätigen auch Veterinärärzte. Juristen, die sich für Tierschutz / Tierrecht engagieren, bewerten diese Rechtsprechung zulasten der Tiere ebenso als falsch. Und jetzt kommts: Aufgrund dieser skandalösen Beschlüsse zieht nun der Landwirtschaftsminister von Baden Württemberg Hauk mit einem Erlass nach, in dem er quasi alles, was Veterinärämter bisher zur Verfügung hatten, um einen beantragten Transport abzulehnen, negiert. Der Erlass (vom 1.2.2021) sagt übersetzt aus: 
Freie Fahrt für alle Kälbertransporteure. Macht nix, dass es keinen zum Tränken und Füttern geeigneten LKW gibt. Macht nix, dass die Kälbchen erst zwei Wochen alt sind. Das Veterinäramt soll einfach ignorieren, dass die Kälbchen noch nicht von der Muttermilch entwöhnt sind. Das ist unfassbar schlimm und macht uns wirklich traurig und wütend. Aber, liebe Freundinnen und Freunde: wir kämpfen weiter: für die Kälber wie für alle Tiere, die grausam wie Ware behandelt und gequält werden. In diesem Fall haben wir einigen Zeitungen den Erlass mit genauen Informationen zugeschickt, mit der Bitte über diesen Skandal zu berichten. Diese verfehlte Politik und Rechtsprechung muss mindestens an die Öffentlichkeit. Wir werden nicht aufhören uns einzusetzen und hoffen natürlich, dass sich immer mehr Menschen anschließen und mit uns gegen die Tierausbeuter, FÜR unsere Mitgeschöpfe zu kämpfen.


Traueraktion mit Trauerzug am 30. Januar 2021 in Mannheim

Wir bedanken uns bei MEAT für dieses großartige und sehr emotionale Video zu unserer Traueraktion.
(Der Link führt zu facebook)


Traueraktion mit Trauerzug in Mannheim.


Wir haben gestern unseren Glauben an eine gerechte Rechtsprechung zu Grabe getragen. Endlich war es soweit. Unsere erste X ORGA Aktion. Wir waren aufgeregt, ob auch alles so klappen würde, wie wir uns das im Vorfeld ausgemalt hatten. Um 10:30 Uhr ging es, vor dem Verwaltungsgerichtshof (VGH) Mannheim, mit Rede- und Musikbeiträgen los. Irgendwie entsprach das Äußere dieses Gebäudes auch dem was aus diesem Gerichtshof an Entscheidungen zu vernehmen ist: Alt, grau, sanierungsbedürftig und trist. Innerlich wie äußerlich.

Zum Thema:
Nachdem jetzt auch die Politik erkannte, dass diese Kälbertransporte nicht durchführbar sind, weil die Tierkinder in den Transportern, die für sie ungeeignet sind - Kälber müssen mit Milch versorgt werden und dürfen kein Wasser trinken - sie in diesen also nicht qualitativ und quantitativ angemessen verpflegt werden können, wie es Artikel 3 h der EU-Tierschutztransportverordnung vorsieht und sie damit während der Transporte erhebliche Schmerzen und Leiden erfahren, brachte das Land Baden-Württemberg (BW) einen lang ersehnten Erlass heraus, der vorerst diese Transporte stoppte. Die #KälberKontorSüdGmbH transportiert regelmäßig Tierkinder, die noch ihre Muttermilch benötigen, u.a. von BW nach Spanien. Nachdem das zuständige Veteterinäramt in Ravensburg eine Abfertigung eines Transports mit 235 männlichen Kälbern verweigert hatte, stellte die KälberKontorSüd GmbH einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht Sigmaringen. Beide Gerichte sind übrigens für ihre tierfeindliche Position bekannt. Dieses verpflichtete die Behörde mit Beschluss vom 17.12.20 zur Abfertigung des Transports. Gegen diesen Beschluss wendete sich der Landkreis Ravensburg mit einer Beschwerde an den VGH Mannheim.Das Ergebnis: Der VGH Mannheim kippte den Erlass BW und sorgt nun mit dieser Entscheidung dafür, dass auch künftig diese Transporte stattfinden dürfen. Indem der #VGHMannheim das Recht zum Vorteil FÜR die Ausbeutungsindustrie "zurecht bog", unterstützt auch die Justiz ein krankes, abartiges System, das lebensverachtend ist!
Hiergegen haben wir gestern, unter Einhaltung der Corona-Auflagen, protestiert. Mit uns dabei waren ca. 70 Menschen, die unsere Wut und unsere Trauer unterstützten. Wir sagen DANKE an alle, die gestern dabei waren und uns in jeder Hinsicht supportet haben! Insbesondere gilt unser Dank: Annette Rudert für Deine berührende Musik, die Herzen erreicht. Black Forest for Animals e.V. Ihr seid die Besten und stets an unserer Seite.
Regionalgruppe der Tierschutzpartei (Partei Mensch Tier Umwelt) Freiburg.

Wir werden in jedem Fall weitermachen! Es gibt schon Ideen. Dazu erfolgen bald weitere Informationen. Auch hier werden wir wieder auf Unterstützung angewiesen sein.

Unser großer Dank geht an die beiden Zeitungen "Mannheimer Morgen" und "Rhein-Neckar-Zeitung Mannheim", die über unsere Aktion berichtet haben.
1. https://www.rnz.de/nachrichten/mannheim_artikel,-mannheim-tierschuetzer-demonstrierten-gegen-kaelbertransporte-_arid,618700.html
2. https://www.morgenweb.de/mannheimer-morgen_artikel,-mannheim-tierschutz-demo-in-mannheim-gegen-kaelbertransporte-_arid,1751476.html

Auf den nachfolgenden Seiten findet Ihr unsere Rede, die wir vor dem Verwaltungsgerichtshof Mannheim vorgetragen haben. Des Weiteren hat unsere Dani eine sehr berührende Geschichte aus der Sicht eines Tierkindes geschrieben. Titel: "Ich bin ein Niemand". Hier (unbedingt) lesen!



Klick auf unser Logo in der untenstehenden Slideshow. Dort gelangst Du zu unserer facebook Seite.

Käbertransporte nach Spanien
Traueraktion vor dem VGH in Mannheim

Wenn die Justiz versagt - Kälbertransporte nach Spanien

"Wir tragen unseren Glauben an eine gerechte Rechtsprechung zu Grabe."

Redebeitrag vor dem Verwaltungsgerichtshof Mannheim.
Text: Natascha Wenrich


 
Liebe Gerechtigkeit,
 
ein schwarzer Tag für uns alle, die an Dich geglaubt haben.

Immerhin warst Du unser letzter Funken Hoffnung, wenn es wöchentlich aus Bad Waldsee hieß:
Mehr als 200 Tierkinder, die zuvor ihrer Mutter entrissen wurden und nicht abgesetzt sind, treten Höllenfahrt nach Spanien an. Oftmals endet ihre Reise dort auch nicht und der Höllentrip geht weiter in Drittländer, wie Türkei, Marokko oder in den Libanon. Das wissen die wenigsten, aber die Richter des Verwaltungsgericht (VGH) Mannheim, die wissen es….

Nachdem jetzt endlich auch die Politik erkannte, dass diese Kälbertransporte nicht durchführbar sind, weil die Tierkinder in den Transportern, die für sie absolut ungeeignet sind, sie in diesen nicht angemessen verpflegt werden können (wie es Artikel 3 h der EU-Transportverordnung vorsieht) und sie damit während der Transporte erhebliche Schmerzen und Leiden erfahren, brachte das Land BW einen lang ersehnten Erlass heraus.

Was waren wir froh! Endlich! Diese furchtbaren Transporte sind vorerst gestoppt!

Wir waren zuversichtlich, denn unsere Appelle in der Vergangenheit an die Politik waren offensichtlich nicht unerhört geblieben. Unsere Motivation stieg und wir blieben weiter dran, denn diese Lebendtiertransporte müssen generell aufhören! Das ist unser eigentliches erklärtes Ziel.

Sachverhalt:
Die Antragstellerin, KälberKontor Süd GmbH, transportiert regelmäßig Tierkinder, die noch ihre Muttermilch benötigen, u. a. von Baden-Württemberg (BW) nach Spanien. Nachdem das zuständige Amtsveterinäramt eine Abfertigung eines Transports von 235 männlichen Kälbern verweigert hatte, stellte die Antragstellerin einen Eilantrag bei dem Verwaltungsgericht (VG) Sigmaringen. Dieses verpflichtete die Behörde mit Beschluss vom 17.12.20 zur Abfertigung des Transports. Gegen diesen Beschluss wendet sich die Behörde mit einer Beschwerde an das VHG Mannheim.
Es folgten der tragische Wendepunkt und der Grund, warum wir heute hier sind. Recht ist wieder mal Auslegungssache der Gerichte und den Beweis dafür haben wir hier:
Die Behörde, hier das zuständige Amtsveterinäramt, so der VGH, habe als Beschwerdebegründung vorgetragen, den besonderen Anforderungen noch Milch saugender Kälber könne ohne Milchversorgungssystem auf dem Transportmittel nicht Rechnung getragen werden, weswegen das Transportmittel, welches nur ein Wassertränkesystem habe, nicht geeignet sei. Das VG Sigmaringen habe, so das Amtsveterinäramt, fehlerhaft festgestellt, dass das Transportmittel geeignet sei. Mit dieser Beschwerdebegründung dringe die Behörde aber nicht durch. Denn das VG Sigmaringen habe gar nicht gesagt, dass das Transportmittel den besonderen Anforderungen der noch Milch saugenden Kälber gerecht werden könne. Es habe lediglich gesagt, dass die EU-Tiertransportverordnung ein Wasserversorgungssystem vorschreibe und dieses auch enthalten sei.

Zwar ginge auch die Europäische Kommission in einem Bericht aus dem Jahr 2017, in einem Leitfaden für Rindertransporte aus dem Jahr 2018 und in einem Brief aus dem Jahr 2009 davon aus, dass eine Versorgung der Kälber auf Transportmitteln derzeit nicht möglich sei, es kein zweckdienliches System zur Versorgung dieser gebe und die Kälber auf dem Transportmittel keinen Zugang zu Flüssigkeiten oder zu Futter haben (aus einer Wassertränke für erwachsende Rinder können Kälber noch nicht trinken. Außerdem brauchen sie Milch und kein Wasser).

Wenn aber Kälber auf dem Transportmittel nicht ordnungsgemäß versorgt werden könnten, könne die Forderung der Behörde an einen gültigen Zulassungsnachweis für das Transportmittel im Hinblick auf den Transport von Kälbern nicht erfüllt werden.
Diese Erkenntnisse hätten die EU aber offensichtlich nicht dazu veranlasst, in der EU-Tiertransportverordnung Anforderungen an den Transport oder die Transportmittel in Bezug auf Kälbertransporte festzulegen. Im Übrigen habe die Behörde Transporte von Kälbern in diesen Transportmitteln auch bisher geduldet.

Ersteres entspricht nicht den Tatsachen, bzw. die Richter missachteten schlichtweg den
Artikel 3 der EU-Tierschutztransportverordnung.

Denn: Artikel 3. h) verlangt, dass die Tiere in angemessenen Zeitabständen mit Wasser und Futter, das qualitativ und quantitativ ihrer Art und Größe angemessen ist, versorgt werden. Danach darf niemand eine Tierbeförderung durchführen oder veranlassen, wenn den Tieren dabei Verletzungen oder unnötige Leiden zugefügt werden könnten.

Dieser Beschluss des VGH Mannheim ist nicht anfechtbar.
 
Liebe Gerechtigkeit, wir haben so sehr an Dich geglaubt….und die Richter des VGH Mannheim haben Dich, die Tiere und uns einfach im Stich gelassen. Gesetzgebung und Rechtsprechung berufen sich seit je her auf Dich und was haben sie getan? Einst schwörten sie nach bestem Wissen und Gewissen nur der Wahrheit und Dir, der Gerechtigkeit, zu dienen.
Ich bin mir sicher, Du würdest uns jetzt recht geben, mit dem Fuß aufstampfen und laut schreien: „Halt! Stop!“…wenn Du könntest…

Ist es nicht absurd, unvorstellbar grausam und absolut ungerecht, wie Richter in diesem Fall das Recht auslegten? Wenn wir von Dir, liebe Gerechtigkeit, sprechen, wo blieben seitens der Richter die Fragen nach ihrem Gewissen, nach der Wahrheit? Die Gerichte MÜSSEN um all das wissen – denn zu viele Berichte und Recherchen, wie sehr die Tierkinder auf diesen Transporten leiden und ihnen Schmerzen zugefügt werden, sind von etlichen NGOs und Journalisten nachweislich vorgelegt und veröffentlicht worden. Fakt ist auch, Tierkinder können und dürfen nicht mit Wasser versorgt werden! 
Davon abgesehen. Worüber hat das Gericht hier eigentlich entscheiden? Es hat entschieden, dass die Transporte durchgeführt werden müssen. Die Kälber werden bis Spanien transportiert und dort gehen sie zunächst in die Mast, bis sie dann irgendwann weiter in Drittländer transportiert werden. Für das Gericht - ein weiteres Schlupfloch, das die EU dringend stopfen muss - liegen hier zwei Transporte mit Unterbrechung vor. Bis Spanien ist die hiesige Behörde in DE zuständig. Im Anschluss sind irgendwann die spanischen Behörden zuständig. Überhaupt nicht mit einfließen ließen die Richter, dass auch die Route von Spanien bis z.B. nach Marokko kein Urlaubstrip ist. Auf dieser Route werden die Tiere so gut wie gar nicht versorgt, es werden keine längeren Pausen vorgenommen, wie es vorgeschrieben ist und Kontrollen finden ebenfalls nicht statt! Die Frage sollte also lauten: wogegen hat sich das Gericht entschieden? Wie es den Tieren auf dieser Reise ergeht, dass diese Transporte mitnichten tierschutzkonform durchgeführt werden können…geht den Richtern am A....vorbei! 

Es wird suggeriert:
Getränkesysteme seien vorhanden. Dass diese nicht für Kälber geeignet sind, weiß man, aber die EU-Tiertransportverordnung stelle das ja gar nicht zur Bedingung. Und selbst wenn es so wäre: Will wirklich jemand behaupten, selbst wenn diese Transporter als High-Class Transporter mit einer super Ausstattung daherkämen, dass diese Transporte für Kälber bzw. Tiere allgemein, ein lustiger, kurzweiliger, angenehmer Trip werden würde? Davon ganz abgesehen, welchen Horror die Tiere in Drittländern erwartet. 

DAS VGH Mannheim und das VG Sigmaringen haben sich beide dagegen entschieden, Tiere als das anzuerkennen was sie sind. Fühlende Lebewesen, die genauso leidensfähig sind wie wir. Genauso Schmerzen und Leid spüren, wie wir. Was wird ihnen nur angetan? Wie wird mit ihnen umgegangen? Es wird mit ihnen umgegangen, als seien sie ein Stück Ware. Billige Ware. Läppische 10 Euro für ein Tierkind. Ihr hättet auch anders entscheiden können! Das Schicksal dieser Tiere lag in Eurer Hand! Ihr habt die Gerechtigkeit mit Füßen getreten.

Wo war Euer Gewissen, Eure Empathie, fragen wir die Richter.

Ihr schickt sie weiter auf Höllenfahrt und damit unterstützt Ihr ein krankes, abartiges System, dass lebensverachtend ist! 

Ihr habt Euch gegen Recht und Gerechtigkeit entschieden und damit das Staatsziel Tierschutz im Grundgesetz ebenfalls mit Füßen getreten!

Stattdessen habt ihr den Profiteuren dieser Ausbeutungsindustrie den Popo gepudert und diesen Recht zugesprochen! Hier wurde Unrecht zu Recht gebogen.

Es geht NUR um Profit, es geht um masslosen Überfluss, den wir in aller Welt entsorgen, ja, Kälber sind das Abfallprodukt der Milchindustrie…Menschen auf der ganzen Welt haben ihre Gier nach Tier entdeckt. Es geht um massivste Ausbeutung und Missachtung von Rechten unserer tierlichen Freunde und Geschwister. 

Liebe Gerechtigkeit, das VGH Mannheim hat Dich am 17.12.2020 für tot erklärt.

Wir hätten Dich so sehr gebraucht….und heute tragen wir Dich nun zu Grabe.
Aber: wir werden Dich niemals aufgegeben. Ohne die Hoffnung an Dich, können auch wir nicht weitermachen und wir glauben ganz fest daran. Eines Tages wirst Du da sein. 
Heller und deutlicher als je zuvor, denn DU bist stets der zentrale Mittelpunkt bei unserer Suche nach moralischen und rechtlichen Maßstäben. 
Irgendwann werden das auch Richter*innen begreifen und Dich walten lassen, wenn Du am nötigsten gebraucht wirst. 

Meine Hoffnung liegt in der Zukunft. Möge diese junge, empathische, mitfühlende, mit einem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit - und zwar für alle Lebewesen – Richter*innen hervorbringen und insgesamt damit beitragen, dass die Welt dadurch ein bisschen besser und gerechter wird.
 
 


 
 

© Natascha Wenrich