Eindringlicher Appell von XOrga und weiteren Mitzeichnern und Mitzeichnerinnen an den Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft/ BMEL bezüglich Erlassen eines Verbots gegenüber dem Transportunternehmen gem. Art. 26 Abs. 6 der VO 1/2005 für das gesamte Bundesgebiet, nicht-abgesetzte Kälber in nicht für sie speziell ausgerüsteten Transportmitteln zu transportieren. 
Gemeinsam mit 10 weiteren Organisationen und Einzelpersonen appeliert „X Orga - vereint für Tierrechte“ in einem offenen Brief an den Bundeslandwirtschaftsminister, Transportunternehmen, die wiederholt nicht-abgesetzte Kälber in einem für Kälber ungeeignetem Transportfahrtzeug befördern, solche Transporte zu verbieten. Die EU Tiertransportverordnung Nr. 1/2005 Artikel 26 Absatz 6 besagt, dass bei wiederholten Verstößen gegen die Verordnung der betreffende Mitgliedstaat ein solches Verbot vorübergehend erlassen kann, auch wenn das Transportmittel in einem anderen Mitgliedstaat zugelassen ist. Dass Transportunternehmen tatsächlich wiederholt gegen diese Verordnung verstoßen, könnten Veterinärämter zusammen mit Polizei durch regelmäßige Straßenkontrollen nachweisen (gem. Art. 15 der VO 1/2005). 

Nachfolgend könnt Ihr den Brief in Gänze lesen.


Unsere fleißige Briefeschreiberin Susanne hat es sich nicht nehmen lassen und nochmals viel Zeit investiert, gewisse Adressaten im Stuttgarter Raum über unsere bevorstehende Veranstaltung am 16.04.22 zu informieren, indem sie ihnen  - ganz aktuell - Briefe vorab zugesandt hat. 
Im Einzelnen handelt es sich hierbei um folgenden Personenkreis:

  • Presse / Stuttgarter Zeitung
  • Abgeordnete des Landtag Baden-Württemberg
  • Justiz 
  • Kirche

Nachfolgend veröffentlichen wir zwei von diesen Briefen hier auf unserer Website.
Man könnte sich nun fragen, was bringt das Briefeschreiben an Politiker*innen! 
Hierzu können wir nur feststellend sagen, dass das Thema "Tierrechte" kein Sprint ist, sondern ein Marathon, für den es einen langen Atem braucht. Den haben wir...und richtig Sinn ergeben Schreiben dann, wenn viele Menschen Briefe an Politiker*innen verfassen würden. Dazu möchten wir Euch auch gerne an dieser Stelle nochmal eindringlich ermutigen.
"Der stete Tropfen höhlt den Stein..."
Darauf vertrauen wir und AUFGEBEN ist keine Option!
Zum Weiterlesen bitte einfach scrollen.

29.03.2022
Stadtredaktion Stuttgarter Zeitung/
Stuttgarter Nachrichten Geißstr. 4
70173 Stuttgart
Presse- und Medienvertreter:innen allerorts


Offener Brief – vorab per Email
Betrifft: Aufzug in der Innenstadt von Stuttgart von „X Orga – vereint für Tierrechte“ am 16.4.2022 mit Lesung/ Performance vor der Stadtredaktion der Stuttgarter Zeitung/ Stuttgarter Nachrichten – als symbolhafter Ort für die Presse- und Medienlandschaft allerorts


Sehr geehrte Redaktionen, Journalist:innen und Mitarbeiter:innen der Stuttgarter Zeitung/ Stuttgarter Nachrichten, sehr geehrte Presse- und Medienvertreter:innen allerorts,

zunächst bedanken wir uns an dieser Stelle für die vergangenen Berichterstattungen der Stuttgarter Zeitung/ Stuttgarter Nachrichten und aller anderen Zeitungen und Medien, für die die Themen „Tierschutz und Tierrecht“ von Bedeutung sind. Es ist wichtig, dass die Me-dien die Ungerechtigkeiten und Verbrechen an unschuldigen, wehrlosen Mitgeschöpfen der Öffentlichkeit zugänglich machen. Aus diesem Grunde finden wir uns am Ostersamstag vor diesem Pressehaus ein, welches bei unserem Aufzug an diesem Tag stellvertretend und symbolhaft für die enorme Bedeutung der Presse/ Medien per se in Sachen Berichterstat-tung im Hinblick auf Tierrechte und Tierschutz, steht.
Denn: Am Ostersamstag, 16.04.2022 setzen sich Menschen im Rahmen eines Aufzugs durch die Stuttgarter Innenstadt und einer stationären Kundgebung am Schlossplatz in Stuttgart (Herzog-Christoph-Denkmal) unter dem Leitmotiv: „ Jedes Leben zählt! Wo stehen wir nach 20 Jahren Tierschutz im Grundgesetz und nach 50 Jahren Tierschutzgesetz?“ für die Rechte der Tiere ein. Diesen Menschen ist die massive Gewalt gegen hochsensible Tiere, insbeson-dere durch die Tierindustrie, nicht egal. Leider wird aber diese Gewalt von unseren Staaten legalisiert, von unserer Öffentlichkeit und unserer Kultur meist legitimiert.
Der Aufzug führt durch die Innenstadt Stuttgarts an vier Stationen, welche stellvertretend für Politik, Justiz, Presse/Medien und Kirche stehen. Die Redaktion der Stuttgarter Zeitung/ Stuttgarter Nachrichten in der Innenstadt Stuttgarts ist also für uns am Ostersamstag während unseres Aufzugs ein Ort in Stuttgart, der symbolhaft für die Presse- und Medienland-schaft hierzulande und allüberall steht. Wir machen mit Trommeln, mit Musik, Gesang und einer Kurzlesung auf das unermessliche Leid der Tiere in der Tierindustrie – bspw. auf den Tiertransporten und besonders auf den rechtswidrigen, grausamen Kälbertransporten ab Bad Waldsee/Baden-Württemberg - aufmerksam.
Unser Aufzug endet am Mittag am Herzog-Christoph-Denkmal am Schlossplatz, wo wir bis zum Abend anhand eines abwechslungsreichen Programms uns kritisch mit Politik, Behör-den, Justiz, Wirtschaft, Handel, Kirche und Gesellschaft auseinandersetzen und aus mehreren Perspektiven auf das leidvolle und unwürdige Leben und Sterben der Tiere in der Tierindustrie blicken - verbunden mit der Hoffnung auf ein besseres, bzw. gutes Leben für unsere fühlenden, hochsensiblen Mitgeschöpfe. Denn für alle Lebewesen gilt: «Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.». So die Worte Albert Schweitzers.
Am Nachmittag hält der Rechtsanwalt Dr. Eisenhart von Loeper erfreulicherweise eine Ansprache bei unserer stationären Veranstaltung am Herzog-Christoph-Denkmal am Schlossplatz. Er war die treibende Kraft für die Verankerung des Tierschutzes im Grundgesetz vor 20 Jahren. Art 20a GG besagt: „Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung.“ Gegen diesen Artikel im Grundgesetz, sowie gegen das Tierschutzgesetz und das EU-Recht wird zum Beispiel in Baden-Württemberg unter anderem hinsichtlich der gnadenlosen Kälbertransporte ab Bad Waldsee – vor allem im Hause des Landwirtschaftsminister Hauk - schon über viele Jahre verstoßen!
Deshalb ist es so wichtig, dass wir einen aufmerksamen Journalismus haben, welcher immer wieder den Blick auf die Misshandlungen und grausamen Quälereien von wehrlosen, dem Menschen völlig ausgelieferten Tieren, richtet - einen aufmerksamen Journalismus, der rechtswidrige Verstöße gegen den Tierschutz im Grundgesetz, gegen das Tierschutzgesetz und gegen das EU-Recht einer breiten Öffentlichkeit zugänglich macht.
Im Folgenden möchten wir Ihnen einen Einblick in die Kurzlesung geben, die wir vor Ihrer Redaktion in der Geiß Str. halten. Die Kurzlesung beinhaltet folgende Auszüge/ Gedanken aus dem Buch „Was sich am Fleisch entscheidet – über die politische Bedeutung von Tieren“ von Thilo Hagendorff (Marburg: Büchner Verlag. 2021; S. 12 ff). Anschließend werden wir als Anerkennung dieses Buch Ihrem Pressehaus überreichen, bzw. in den Briefkasten vor Ort geben.

Inhalte der Kurzlesung: Die Stuttgarter Zeitung hat in jüngster Vergangenheit beispielsweise engagiert über den Skandal im Gärtringer Schlachthof und die längerfristigen Konsequenzen für Betreiber:innen und Politiker:innen sowie mehrmals über die rechtswidrigen Kälberqualtransporte ab Bad Waldsee berichtet. Dafür möchten wir dieser Zeitung hier und heute unsere Anerkennung zollen.
Die Stuttgarter Zeitung hat nämlich somit eine spezifische Form von „Agenda Setting“ - wie es Thilo Hagendorff in seinem Buch „Was sich am Fleisch entscheidet“ nennt – sozusagen „positiv aufgelöst“. Für Hagendorff bedeutet nämlich der Begriff „Agenda-Setting“, dass etablierte Medien festlegen, worüber Menschen nachdenken und worüber sie sich unterhalten. Er ist der Ansicht, dass die Medien in der Art, wie sie Berichterstattung betreiben, sich selektiv auf bestimmte Ereignisse fokussieren, die mit einem bestimmten Nachrichtenwert versehen sind. Deshalb gruppieren sich auch viele politische Diskussionen und Forderungen ausschließlich um diese bestimmten Ereignisse. Medien, Politik und Öffentlichkeit grenzen dabei unter gegenseitiger Beeinflussung ein, welche Themen überhaupt diskutiert werden. Es handelt sich dabei um eine Engführung dessen, was an Problemen und Themen medial, politisch und öffentlich behandelt wird. Es handelt sich dabei also um „Problemhierarchien“, so Hagendorff.
Die Frage stellt sich für ihn, ob die politische sowie die mediale Priorisierung von Themen angemessen ist, oder ob nicht wichtige Themenkomplexe ausgespart werden.
Und tatsächlich wird insbesondere ein spezieller, dafür aber umso wichtiger Themenkomplex nahezu gänzlich ausgelassen – nämlich der des Umgangs der Menschen mit den Tieren. Tiere spielen in den Nachrichten, in den öffentlichen Debatten und politischen Aushandlungen nur äußerst selten eine Rolle. Sie sind weitgehend vergessen. Hagendorff beobachtet in seinem Buch „Was sich am Fleisch entscheidet“ in den Massenmedien leider ein solches „Agenda-Setting“, was Themen von Tierrecht und Tierschutz tendenziell betrifft.
Ab und an entstehen Diskussionen über Massentierhaltung, über antibiotikaresistente Keime, über das Schreddern von Küken, oder auch mal über den ein oder anderen Schweinestall oder Schlachthof, in dem Tierschützer heimlich gefilmt haben. Aber eine wirklich einschneidende gesellschaftliche Auseinandersetzung mit der Art des Umgangs mit Tieren findet in den Medien, in der öffentlichen Debatte nicht statt.
Dabei stecken genau darin, nämlich in der Art, wie Menschen Tieren gegenüber handeln, in fundamentaler Weise sowohl die Bedingungen, unter denen sich eine friedliche, nachhaltige Gesellschaft realisieren lässt, sowie der Ansatz dessen, was den Charakter eines Menschen ausmacht, schreibt Hagendorff.
Worüber mehr gesprochen werden muss, ist die inmitten der Gesellschaft stattfindende, industriell organisierte Ausnutzung und Tötung von unzähligen, empfindsamen, intelligenten und sozialen Lebewesen. Getragen und verantwortet wird diese Ausnutzung und Tötung von einer erdrückenden Mehrheit der Menschen. Was die etablierte Art des Umgangs mit Tieren in der Gesellschaft ermöglicht und fördert, ist die selektive Ausschaltung von Empathie. Wer sich für die Diskriminierung von Menschen einer anderen Nation, einer anderen Religion, eines anderen Geschlechts oder einer sexuellen Orientierung ausspricht, tut dies noch lange nicht gegen die Diskriminierung von Tieren. In dem Verhalten, wie Menschen kollektiv oder individuell gegenüber Tieren auftreten, verbirgt sich aber die Wurzel dessen, was ihre moralische Verfassung insgesamt ausmacht.
Deshalb muss das Agenda-Setting auf den Kopf gestellt werden. Man muss das, was am meisten zu verhindern versucht wird, nämlich die Thematisierung des problematischen, gewaltdurchsetzten Verhältnisses zu Tieren, zur dringlichsten Aufgabe machen. Menschen lernen am Fall der industriellen Tiervernichtung diverse irrationale Mechanismen der Verdrängung, Verzerrung und des Selbstbetrugs. Dabei ist es von größter Dringlichkeit, zu sehen, dass das Problem der Tiervernichtung nicht eines unter vielen ist, sondern den Kern dessen darstellt, was an Übeln die Gesellschaft plagt.
So bestätigen umfangreiche empirische Arbeiten bspw. dass Gewalt gegen Tiere in Gewalt gegen Menschen mündet und umgekehrt der friedliche Umgang mit Tieren einhergeht mit einem friedlichen Umgang mit Menschen. Hagendorff ist der Meinung: „Von nichts hängt die Zukunft der Menschheit so ab, wie von der Frage, ob sie es schafft, in ein neues Verhältnis zu Tieren zu treten und ihnen gegenüber Achtung aufzubringen.“
Wir wünschen uns für die Tiere – und für uns Menschen! -, dass viele Medien (TV, Radio, Print, digital..) dieses Thema aufgreifen, weiter am Ball bleiben, auch bis in die lokalen Zeitungen hinein, wie zum Beispiel auch jüngst der Gäubote von Herrenberg.
Anlässlich der Implementierung des Tierschutzes in die Verfassung vor 20 Jahren wurde Dr. Eisenhart von Loeper von dem Journalisten Peter Carstens von der Zeitschrift GEO interviewt. Auf die beiden Fragen von Peter Carstens an Eisenhart von Loeper: „Wie sehen Sie in die Zukunft? Was kann den Tierschutz voranbringen?“, antwortete dieser:
Der Gedanke der Tierrechte stand schon am Beginn der Menschenrechte. Jean-Jacques Rousseau und Jeremy Bentham haben vorausgesagt, der Tag werde kommen, "an dem auch den übrigen Geschöpfen die Rechte gewährt werden, die man ihnen nur durch Tyrannei vorenthalten konnte", wie Bentham 1789 schrieb. Heute zwingt uns schon der gesetzlich verankerte Klimaschutz zu einer weitreichenden Umstellung im Agrar- und Umweltsektor. Gleichzeitig bringt ein starkes bundesweites Netzwerk für Tierrechte den Tierschutz "von unten" voran. Hoffentlich mit Erfolg, denn unser Menschsein braucht die gelebte Symbiose mit den Tieren, den Ausgleich von Menschen- und Tierrechten. Nur so, in einem neuen, gelebten Grundkonsens, werden wir vor diesen Geschöpfen und vor uns selbst bestehen können. https://www.geo.de/natur/tierwelt/wie-ein-jurist-vor-20-jahren-den-tierschutz-ins-grundgesetz-brachte-31613594.html / (Februar 2022)

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. 

Mit freundlichen Grüßen, 
Annette Kremslehner, Daniela Hohler, Natascha Wenrich, Cornelia Praetorius, Susanne Kirn-Egeler 

(Gründerinnen)


© Text Susanne Kirn-Egeler

29.03.2022
An alle Mitglieder 

des Landtags Baden-Württemberg 


Haus des Landtags Konrad-Adenauer-Straße 3 

70173 Stuttgart 


Haus der Abgeordneten 

Konrad-Adenauer-Straße 12 

70173 Stuttgart 



Offener Brief - vorab per Email 

Betrifft: Aufzug in der Innenstadt von Stuttgart von „X Orga – vereint für Tier-rechte“ am 16.4.2022 mit Lesung/ Performance vor dem Haus der Abgeordneten 

Sehr geehrte Abgeordnete, sehr geehrte Regierende im Landtag Baden-Württemberg, 

am Ostersamstag, 16.04.2022 stehen Menschen, die sich für Tierrechte und gegen Tierquälerei in der Tierindustrie einsetzen im Rahmen eines Aufzugs, der durch die Innenstadt Stuttgarts führt vor Ihrem Haus, dem Haus der Abgeordneten (Konrad-Adenauer-Str. 12). Wir machen mit Trommeln, mit Musik, Gesang und einer Kurzlesung auf das unermessliche Leid der Tiere in der Tierindustrie, auf Tiertransporten und besonders auf den rechtswidrigen, grausamen Kälbertransporten ab Bad Waldsee in Baden-Württemberg, aufmerksam. 

Unser Aufzug endet am Mittag am Herzog-Christoph-Denkmal am Schlossplatz, wo wir bis zum Abend anhand eines abwechslungsreichen Programms unter dem Leitmotiv: „ Jedes Leben zählt! Wo stehen wir nach 20 Jahren Tierschutz im Grundgesetz und nach 50 Jahren Tierschutzgesetz?“, uns kritisch mit Politik, Behörden, Justiz, Wirtschaft, Handel, Kirche und Gesellschaft mit dem Fokus auf das leidvolle und unwürdige Leben und Sterben der Tiere - mitten unter uns – auseinandersetzen. Im Folgenden möchten wir Ihnen einen Einblick in die Kurzlesung geben, die wir vor Ihrem Haus aus den folgenden Büchern halten: 

  • „Manifest für die Tiere“ von Corine Pelluchon. 2020. München: Beck. (S. 12 ff/ S. 108) 


  • „Wieso? Weshalb? Vegan!“ von Hilal Sezgin. 2016. Frankfurt am Main: Fischer. (S. 144 ff) 


Beide Bücher werden wir im Anschluss der Kurzlesung Ihnen als Geschenk zukommen lassen, bzw. in den Briefkasten des Abgeordnetenhauses in der Konrad-Adenauer-Straße geben. 

Corine Pelluchon ist Professorin für Philosophie an der Universität Paris-Est Marne-la-Vallée. Sie beschäftigt sich vor allem mit Moralphilosophie, Politischer Philosophie und Fragen der angewandten Ethik in den Bereichen Bio-, Umwelt- und Tierethik. 2020 erhielt sie für ihre philosophische Gegenwartsdiagnostik den Günther Anders-Preis für kritisches Denken. 

Wie wir Menschen Tiere behandeln, betrifft im Kern die Frage nach unserer Menschlichkeit. Darauf insistiert die französische Philosophin. Die Gewalt, die Menschen Tieren zufügen, ist nicht nur grausam. Sie macht eine verheerende Funktionsstörung unserer Gesellschaft offensichtlich, die auf wirtschaftlicher Ausbeutung und der Zerstörung des Lebendigen beruht. (https://www.chbeck.de/pelluchon-manifest-tiere/product/30962617) 

Im Folgenden führen wir Inhalte unserer Kurzlesung an: 

Die Professorin für Philosophie, Corine Pelluchon, schreibt in „Manifest für die Tiere“, dass unser Verhältnis zu den Tieren ein Spiegel ist, der uns zeigt, wozu wir in den letzten Jahrhunderten geworden sind. „In diesem Spiegel sehen wir nicht nur die Schrecken, die unsere Spezies sich bei der Ausbeutung anderer empfindungsfähiger Lebewesen zuschulden kommen lässt, sondern auch das bleiche Gesicht einer Menschheit, die ihre Seele zu verlieren droht“ (S. 11). Die Menschen, die Tiere, die Qualität der Arbeit und die Umwelt, sie alle werden dem Profit untergeordnet. Die Normen einer globalisierten Marktwirtschaft, die eine ständige Reduzierung der Kosten verlangt, haben sich überall durchgesetzt. 

Die Gewalt gegen Tiere, die von unseren Staaten legalisiert, von unserer Öffentlichkeit und unserer Kultur meist legitimiert wird, ist Ausdruck einer gewalttätigen Zivilisation. Unser Verhältnis zu den Tieren ist also auch ein Spiegel unseres Verhältnisses zu unseren Mitmenschen. 

„Wer gelegentlich einen verschämten Blick auf das Leiden der Tiere wirft, das wir ständig unsichtbar zu machen versuchen, wer von Zeit zu Zeit an dieses Leiden denkt, weil ein Video enthüllt, was in gewöhnlich für die Öffentlichkeit verschlossenen Gebäuden geschieht, und wer dann weiterlebt, als geschähe da nichts Schreckliches … der akzeptiert, vom Bösen kontaminiert zu werden,“ schreibt Pelluchon (S.15). 

Wenn wir den Belangen der Tiere kaum Beachtung schenken, sie wie Objekte behandeln und gleichgültig hinnehmen, dass ihr Leben von Leid geprägt ist, wenn wir die Stimme des Mitleids zum Schweigen bringen, amputieren wir auch einen wichtigen Teil unserer selbst

Wenn wir verstehen wollen, was wir heute den Tieren antun, müssen wir das Übel bei der Wurzel packen. Diese Wurzel reicht über den Umgang mit Tieren hinaus und umfasst auch unser Verhältnis zu anderen Menschen und anderen Staaten. 


Wenn wir dem Schicksal von Tieren, die wie wir selbst empfindende Lebewesen sind, mit Gleichgültigkeit begegnen, entmenschlichen wir uns selbst. 

Weiter beschreibt Pelluchon, was uns allen, die wir uns für die Rechte und das unversehrte Leben der Tiere unermüdlich einsetzen höchst bekannt ist und was wir den Politiker:innen unbedingt wünschen, es ebenfalls so zu erleben (S. 20 ff): 

Wenn wir bereit sind, der Realität des Leidens der Tiere ins Auge zu sehen, stellen wir etwas fest, … nämlich, wie intensiv das Leiden der Tiere ist und wie groß die Zahl der vernichteten Lebewesen. Ist diese Wahrheit erst mal ins Bewusstsein getreten, ringen wir verzweifelt um Luft. Aber: Es drängen sich uns Veränderungen auf – in den Konsumgewohnheiten, hinsichtlich Ernährung, Kleidung. Die Werbung, die uns Kühe zeigt, die glücklich ihre Milch hergeben, Tiger, die freudig durch Feuerreifen springen, erscheint uns plötzlich als Lüge. 

Und: Wer das Leid auf sich zu nehmen bereit ist und den Wunsch entwickelt, das Übel zu begreifen und ihm abzuhelfen, gewinnt an Stärke. 

Deshalb werden die Belange der Tiere für jeden Menschen, der die Augen vor dieser Gewalt nicht verschließt, zur wichtigen – ja, auch wichtigsten - Lebensaufgabe. Trotz mancher Bedenken und anfänglicher Ängste drängt es diese Menschen zu Engagement und einer Form politischen Handelns. 

Der Schlüssel dafür, das Los der Tiere zu verändern, liegt in der Politik! Die Schaffung einer gegenüber Tieren gerechten Gesellschaft, gerade auch mit Unterstützung der verschiedenen Wirtschaftsbereiche, ist eine politische Entscheidung, und deshalb muss die Sache der Tiere politisiert werden. 

Politisches Handeln hat mehrere Dimensionen. In einer Demokratie ist die Bildungsdimension ein zentrales Element. Bildungspolitisch bedeutsam ist diesbezüglich das Jugendbuch der Philosophin, Journalistin und Schriftstellerin Hilal Sezgin „Wieso? Weshalb? Vegan!“ Dieses Jugendbuch verschweigt nicht mehr den ausbeuterischen, grausamen Umgang der Tierindustrie mit empfindsamen Lebewesen und vermittelt das, was in der Politik, der Wirtschaft, dem Handel, der Justiz, der Kirche, der Gesellschaft und in Bildungsinstitutionen (wie Kitas, Schulen, Universitäten) bisher erfolgreich verdrängt wurde. Die Autorin spricht auch die wichtigen Bereiche Klima- und Umweltschutz an. Sezgin erläutert den Jugendlichen beispielsweise „die Sache mit dem Lobbyismus“ (S. 144 ff). 

Sie erklärt: Lobbyismus bedeutet, dass Menschen, die selbst keine Politiker:innen sind, auf Politiker:innen Einfluss nehmen, um etwas durchzusetzen, was sie wollen. Das geschieht meistens nicht öffentlich, sondern im Verborgenen. Es ist meistens nicht direkt illegal, aber es widerspricht eigentlich der Grundidee von Demokratie. Schließlich sollen Politiker:innen so entscheiden, wie es die Bevölkerung will. Nicht danach, wer damit ein Geschäft macht. … Hier kommen die Interessen der Wirtschaft ins Spiel. Sezgin: „Funktionierender Lobbyismus ist, wenn eine Regierung beschließt, die Milchproduktion zu fördern …und insgeheim reiben sich die Industriellen die Hände, weil es genau das ist, was sie wollen.“ (S. 145 f) 

Deshalb darf unserer Meinung nach auch kein Landwirtschaftsministerium mehr für den Tierschutz, für die Rechte der Tiere zuständig sein. Denn Politiker:innen sind offenbar mit Lobbyist:innen verflochten, deren wirtschaftliche Interessen dem Tierrecht und dem Schutz der Tiere massiv entgegenstehen. „Um den Tierschutz ist es schlecht bestellt. Zumal, wenn man bedenkt, dass dasselbe Ministerium für die Einhaltung des ohnehin schwachen Tierschutzgesetzes zuständig ist, welches unter dem Druck von Wirtschaftsinteressen Massentötungen von Tieren zur Marktpreisstabilisierung und Verbraucherberuhigung stattgibt,“ schreibt Linda Niess in ihrem Buch „Die Rechte der Tiere“. 

Sehr geehrte Abgeordnete und Regierende, abschließend weisen wir Sie auf den nunmehr 20 Jahre in dieser Form bestehenden Art 20a GG hin, dem Sie verpflichtet sind: „Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung.“ Gegen diesen Artikel 20a im Grundgesetz, sowie gegen das Tierschutzgesetz und das EU-Recht wird zum Beispiel in Baden-Württemberg durch gnadenlose Kälbertransporte ab Bad Waldsee – vor allem unter der Führung des Hauses des Landwirtschaftsminister Hauk - schon über viele Jahre anhaltend verstoßen! 

Der Rechtsanwalt Dr.Eisenhart von Loeper, der erfreulicherweise am Nachmittag des 16.4.2022 eine Ansprache im Rahmen unserer Stationären Veranstaltung am Herzog-Christoph-Denkmal am Schlossplatz hält, war die treibende Kraft für die Verankerung des Tierschutzes im Grundgesetz vor 20 Jahren. 

Auf die Frage des Journalisten Peter Carstens vom GEO an Eisenhart von Loeper: „Wie sehen Sie in die Zukunft? Was kann den Tierschutz voranbringen?“, antwortet dieser: 

Der Gedanke der Tierrechte stand schon am Beginn der Menschenrechte. Jean-Jacques Rousseau und Jeremy Bentham haben vorausgesagt, der Tag werde kommen, "an dem auch den übrigen Geschöpfen die Rechte gewährt werden, die man ihnen nur durch Tyrannei vorenthalten konnte" … . Heute zwingt uns schon der gesetzlich verankerte Klimaschutz zu einer weitreichenden Umstellung im Agrar- und Umweltsektor. Gleichzeitig bringt ein starkes bundesweites Netzwerk für Tierrechte den Tierschutz "von unten" voran. Hoffentlich mit Erfolg, denn unser Menschsein braucht die gelebte Symbiose mit den Tieren, den Ausgleich von Menschen- und Tierrechten. Nur so, in einem neuen, gelebten Grundkonsens, werden wir vor diesen Geschöpfen und vor uns selbst bestehen können. https://www.geo.de/natur/tierwelt/wie-ein-jurist-vor-20-jahren-den-tierschutz-ins-grundgesetz-brachte-31613594.html / (Februar 2022) 

Sehr geehrte Abgeordnete und Regierende: Tier sind keine „, Lebensmittel“, keine „Schlachtkörper“, keine „Produkte“, sie werden nicht in Ställen „hergestellt“. Sie sind empfindungsfähige, fühlende Lebewesen! Wir fordern Sie auf: Schützen Sie die Tiere, die Natur, die Umwelt, das Klima, damit auch künftige Generationen aller Lebewesen eine Zukunft haben – so wie es die Verfassung will! 

Soweit zu den Inhalten unserer Kurzlesung am Ostersamstag vor Ihrem Abgeordnetenhaus. 
Desweiteren möchten wir Sie bei dieser Gelegenheit auf das im Februar 2022 im NOMOS-Verlag erschienene Werk „Reform des Tierschutzrechts - Die Verwirklichung des Staatsziels Tierschutz de lege lata“ von Bülte/ Felde/ Maisack (HG) hinweisen: 

Renate Künast schreibt in ihrer Einführung zum Werk (S. 5 ff): „Unser Umgang mit Tieren und andererseits unser Wissen über ihre Fähigkeiten und Empfindungen klaffen erschreckend auseinander. Jeden Monat erscheint eine Publikation, die Fähigkeiten von Tieren neu beschreibt, die wir Ende des letzten Jahrtausends noch im Bereich der Fabel verortet hätten … Diese Erkenntnisse machen klar, dass wir unseren Umgang und unser Verhältnis zu Tieren regelmäßig überprüfen müssen. Es vergeht im Augenblick kaum ein Monat, in dem wir nicht von massiven Verstößen gegen den Tierschutz hören oder lesen. Ein Beispiel sind die Stallbrände. Es gibt jährlich circa 5 000 Brände in landwirtschaftlichen Betrieben, dabei sterben auch viele Tiere. Im März 2021 sind bei einem Großbrand in der Anlage Alt Tellin etwa 55.000 Schweine elendig erstickt und verbrannt. Evakuierung unmöglich. Im Verwaltungsge-richtsverfahren gegen diese Anlage hatte ein Brandsachverständiger aus baulichen Gründen genau einen solchen Brand voraus gesagt. Das Verfahren wurde seit Jahren nicht wieder terminiert. Es gibt weitere Gründe dafür, unseren Umgang mit Tieren und den Wunsch nach tierischen Erzeugnissen zu hinterfragen: Ungefähr ein Drittel der weltweiten Landfläche wird in irgendeiner Weise für die Tierhaltung genutzt, in Europa werden sogar auf mehr als 60 % der Ackerflächen Futtermittel für Tiere hergestellt. Die Herstellung von tierischen Produkten verursacht etwa 17 % aller Treibhausgase der EU. Die Notwendigkeit einer Umkehr ist klar vorgezeichnet: Wir werden künftig immer weniger Tiere halten können. Diese dafür aber umso besser tierartgerecht. Ohne eine Reduktion der Tierzahlen wird die Erreichung der Ziele des Pariser Klimaabkommens nicht erreichbar sein. … Aber nicht nur die politische Debatte, auch der wissenschaftliche Diskurs kann nicht länger ignorieren, dass die Gesellschaft ein deutliches Mehr an Tierschutz erwartet. Wünschenswert ist auch, dass das Tierschutzrecht in der juristischen Ausbildung künftig einen höheren Stellenwert erhält. Denn leider muss man heute noch feststellen: Wer in Deutschland in der Nutztierhaltung oder beim Schlachten Tiere quält, kann immer noch recht sicher sein, dass er oder sie dafür nicht zur Rechenschaft gezogen wird. Zum einen, weil die Kontrollen viel zu dürftig sind. Zum anderen aber auch, weil Handlungen und Unterlassungen gegen Tiere in der Tierhaltung oftmals als etwas Hinzunehmendes begriffen werden, dabei ist es tatsächlich Wirtschafts-Kriminalität. Hier findet eine Abwärtsspirale durch systematisch mangelnde Normbefolgung statt.“ (https://www.nomos-elibrary.de/10.5771/9783748928478/reform-des-tierschutzrechts

Der Jurist Steffen Augsberg aus dem Deutschen Ethikrat verfasste das Vorwort zum Werk (S. 9 ff). Hier ein Auszug: „Wenn nicht alle Anzeichen trügen, stehen wir vor bzw. schon mitten in einem Prozess fundamentalen Umdenkens, was den Umgang des Menschen mit Tieren angeht. Die emotionale und kognitive Dissonanz, die das Mensch-Tier-Verhältnis kennzeichnet und erstaunliche Ignoranz und Indolenz gegenüber offensichtlichen Missständen mitbegründet, weicht zunehmend realistischeren Einschätzungen – und von dort ist der Weg nicht mehr weit zu mehr oder weniger weitreichenden Reformvorschlägen. Ein Tierschutzrecht, das einerseits blumige Versprechungen enthält und wohlklingende Großformeln verwendet („Mitgeschöpf“, „Eigenwert“, „artgemäß“, „verhaltensgerecht“), gleichzeitig aber allzu oft außerstande ist, auch enormes, teilweise nahezu flächendeckend vorhandenes Leid zu verhindern, ist erkennbar ein hochproblematisches, entweder unehrliches oder schlicht unzureichendes Konstrukt. In jedem Fall stellt es vor diesem Hintergrund ein zwar komplexes und kompliziertes, aber überaus lohnendes Unterfangen dar, den Schwächen des geltenden, ersichtlich zumindest partiell defizitär-inkonsistenten Tierschutzrechts näher nachzugehen und konkrete Verbesserungsoptionen zu prüfen. Das erscheint insbesondere deshalb dringend angebracht, als in der jüngeren Vergangenheit immer wieder zu erleben war, wie selbst grundlegende Kritik höchster Gerichte in der (politischen wie landwirtschaftlichen) Praxis weitgehend missachtet, offenkundige Rechtsverstöße geduldet oder im Konkretisierungsverfahren übertüncht und noch sehr kleinteilig ansetzende Reformen mit außergewöhnlich langen Übergangsfristen versehen wurden. Es erscheint naheliegend, aus dieser Erfahrung der letzten Jahre/Jahrzehnte den Schluss zu ziehen, die im Interesse des Tierwohls gebotenen Veränderungen seien nicht innerhalb des bestehenden gesetzlichen und untergesetzlichen Regulierungsregimes zu erreichen, sondern verlangten eine gleichermaßen tiefer wie breiter ansetzende Neuorientierung. … In der Tat dürfte es kaum ein Rechtsgebiet geben, in dem die Kluft zwischen den vollmundig vorgegebenen Zielsetzungen und der tatsächlichen Vollzugspraxis größer ist. Es ist deshalb naheliegend und vernünftig, Verfassungs- wie Gesetzgeber beim Worte zu nehmen und tierschutzrechtliche Standards nicht auf Basis legislative Versprechungen derogierender wirtschaftlicher Zwänge, sondern aus übergeordneten Wert-vorstellungen heraus zu entwickeln. Nur so kann eine konzise und kohärente Tierschutzstrategie gelingen.“ (https://www.nomos-elibrary.de/10.5771/9783748928478/reform-des-tierschutzrechts) 

Für die Weiterentwicklung, bzw. die Erweiterung des Tierrechts ist unserer Meinung nach für die Gesetzgebenden unumgänglich, dass Tiere als empfindungsfähige Rechtspersonen im Gesetz festgeschrieben werden müssen, sie dürfen nicht länger wie Sachen behandelt werden! 

Denn: In der Verhaltensbiologie hat in den letzten Jahren eine Revolution des Tierbildes stattgefunden, schreibt Norbert Sachser, ein international renommierter Forscher. Tiere „können denken. Sie erkennen sich selbst im Spiegel, und bei ihnen sind zumindest Ansätze von Ich-Bewusstsein vorhanden. Tiere mancher Arten haben Emotionen, die denen des Menschen bis in verblüffende Details vergleichbar sind.“ Basale Emotionen wie Furcht, Angst oder Freude sind bei Mensch und Tier von den gleichen neuronalen Schaltkreisen erzeugt und gesteuert. Es steckt sehr viel mehr Mensch im Tier, als wir uns vor wenigen Jahren noch haben vorstellen können. Bei näherer Betrachtung scheinen Tiere genauso individualisiert wie Menschen, deswegen spricht die Verhaltensbiologie mittlerweile von Tierpersönlichkeiten (Vgl. Sachser, Norbert. 2018. „Der Mensch im Tier“. Hamburg: Rowohlt; S. 15 ff/ S. 242 ff). 

Phillip von Gall und Carolin Raspé sind der Ansicht, dass Tiere zur Gemeinschaft der von Politik und Recht unmittelbar betroffenen Individuen gehören. Das Problem ist, dass Politik und Recht immer noch rein anthropozentrisch geprägt sind innerhalb ihrer Institutionen. Daher sind innovative Verfahren nötig, so von Gall/ Raspé, um die Ansprüche der Tiere und daraus abzuleitende Forderungen umzusetzen. Darauf wies auch der Deutsche Ethikrat 2020 hin: „Im Sinne der (…) Verantwortung ist auch nach Lösungen zu suchen, wie Tiere und ihre berechtigten Belange besser ‚repräsentiert‘ werden können“ (Tierwohlachtung – zum verantwortlichen Umgang mit Nutztieren, S. 61). So wäre nach von Gall und Raspé eine Vertretung vor staatlicher Institutionen, wie bei Menschen, auch für Tiere denkbar und rechtlich umsetzbar, aber bislang nicht möglich, da Tiere keine Rechtspersonen sind. Sie werden – trotz ihrer Bezeichnung als Mitgeschöpfe – immer noch wie Sachen behandelt, sie sind keine Rechtssubjekte. Deshalb brauchen Tiere eine Rechtspersönlichkeit, um Rechtsinhaber zu sein und im Rechtssystem effektiv vertreten werden zu können. Die Einführung einer tierlichen Person erfordere wegen Art. 20 a GG keine Verfassungsänderung, sondern könnte einfach gesetzlich im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) und dem Tierschutzgesetz erfolgen so von Gall und Raspé. (Vgl. Von Gall, Phillip und Carolin Raspé: Tiere brauchen Vertreter:innen im Recht und in der Politik. Aus: Neussel, Walter (Hrsg.). Verantwortbare Landwirtschaft statt Qualzucht und Qualhaltung. 2021. München: oekom. S. 279 – 286). 

Sehr geehrte Abgeordnete und Regierende, wir appellieren an Sie: Seien Sie bereit, der Realität des Leidens der Tiere ins Auge zu sehen, damit auch Sie den Wunsch entwickeln, das Übel zu begreifen und ihm abzuhelfen! 

Mit entschlossenen Grüßen, 

für „X Orga – vereint für Tierrechte“: Daniela Hohler, Natascha Wenrich, Cornelia Praetorius Annette Kremslehner, Susanne Kirn-Egeler 

(Gründerinnen) 

© Text Susanne Kirn-Egeler

So lautet das Motto unserer nächsten Kundgebung (mit Aufzug) am 16.04.2022 in Stuttgart. 
Näheres dazu lest weiter unten...

KUNDGEBUNG VON X ORGA IN STUTTGART
Unter dem Motto:
...weil jedes Leben zählt. -
Wo stehen wir nach 20 Jahren Tierschutz im Grundgesetz und 50 Jahren Tierschutzgesetz? gehen wir zu Ostern erneut auf die Strasse und werden lautstark gegen das Unrecht, das Milliarden von Tieren nach wie vor trotz bestehender Gesetze widerfährt, protestieren.
Mit Redebeiträgen, Infoständen und einem Performancezug von unserem XOrga Aktionsteam durch die Innenstadt werden wir auf das Tierleid in den verschiedenen Bereichen, in denen Tiere in den Dienst des Menschen gezwungen werden, aufmerksam machen. Wir wollen, dass sich endlich etwas ändert und Tierschutz nicht nur auf dem Papier vorgeheuchelt wird.
Wie immer unterstützt uns musikalisch unsere Freundin @Liedermacherin NETTE - Annette Rudert mit ihrer bewegenden Tierrechtsmusik.
Eine besondere Freude ist es uns, dass unser Freund Dr. jur. Eisenhart von Loeper eine Rede halten wird. Er hat maßgeblich dazu beigetragen, dass der Tierschutz im Grundgesetz verankert wurde.
Des Weiteren erhalten wir Unterstützung von unseren lieben Freunden der Black Forest for Animals e.V. und Menschen für Tierrechte – Baden-Württemberg e.V.
Als absolutes Highlight erhalten wir bombastische musikalische Unterstützung von "BeoBeo" - Sambagruppe aus Stuttgart. Sie sorgen für die nötige Aufmerksamkeit. Akustisch sowie optisch. www.beobeo.de
Wir freuen uns natürlich über zahlreiches Erscheinen vor Ort, damit wir GEMEINSAM gegen die Verbrechen an unseren Mitgeschöpfen kämpfen können. 

Nähere Einzelheiten zur Veranstaltung erfahrt Ihr hier auf unserer Webseite unter der Rubrik "Termine" oder auch auf facebook in der Veranstaltung unter "Diskussion".
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02.01.2022

Abstimmung im Europaparlament Gemeinsam mit weiteren NGOs fordern wir ein Verbot von Lebendtiertransporten in Hochrisiko-Staaten 

Wedemark, 2.1.2022
In seiner viertägigen Plenarsitzung Mitte Januar wird das Europaparlament erneut darüber beraten, ob es Langstrecken-Tiertransporten in Drittstaaten außerhalb der EU weiterhin zustimmen will. Entscheidungsgrundlage werden die Empfehlungen des Untersuchungsausschusses ANIT sein, der auf Forderung von 183 Abgeordneten im Juli 2020 eingesetzt worden war. 18 Monate lang haben Sachverständige, Augenzeugen und NGOs den ANIT-Mitgliedern unzählige Beweise für massive Tierschutzverstöße im Rahmen der Transporte geliefert – doch mehr als marginale Änderungsvorschläge am bestehenden System sind dem Abschlussbericht des Ausschusses dennoch nicht zu entnehmen.
In einem Offenen Brief fordern zahlreiche Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen aus dem Tierschutznetzwerk Kräfte bündeln die Abgeordneten nun auf, ihre Entscheidung deutlich weitreichender zu fassen, Lebendtiertransporten in Hochrisiko-Staaten keine Zustimmung zuerteilen und sich für ein sofortiges Moratorium einzusetzen. Zur Begründung führen die Organisationen unter anderem an, dass die seit vielen Jahren praktizierte und gut dokumentiere Realität der Transporte und deren Duldung durch die Mitgliedstaaten einen fortwährenden Verstoß gegen geltendes EU-Recht darstellen. Bereits im April 2015 hatte der EuGH geurteilt, dass ein Transport von Tieren nicht durchgeführt werden darf, wenn den Tieren dabei Verletzungen oder unnötiges Leiden zugefügt werden könnten. Allein durch die Dauer der Transporte in Länder wie Marokko, Türkei und Usbekistan, die dortige Infrastruktur und die nach europäischen Standards ungenügenden Umgangs- und Haltungsbedingungen sei dieser Tatbestand jedoch regelmäßig gegeben. „Es ist erschütternd, dass der ANIT nach 18 Monaten Tagungsmarathon nicht imstande ist, Empfehlungen auszusprechen, die über ohnehin schon geltendes EU-Recht hinausgehen“, so Dr. Claudia Preuß-Ueberschär, Sprecherin des Netzwerks. „Wenn sich die Europäische Union wirklich als eine Wertegemeinschaft begreifen will, muss sie endlich aufhören, ökonomische Interessen über ihre eigenen Rechtsnormen zu stellen.“
Der Offene Brief der Organisationen sowie weitere Appelle und Positionspapiere finden sich auf der gemeinsamen Seite des Bündnisses Tierschutznetzwerk Kräfte bündeln.
www.tierschutznetzwerk-kraefte-buendeln.de 

15.12.2021

Unser Schreiben an den EU Untersuchungsausschuss zu Langstrecken-Tiertransporten "ANIT" 

Worum es geht:
Wir haben an die 96 Mitglieder (für Deutschland) des EU Parlaments einen Brief (email) geschrieben und Stellung zu dem Abschlussbericht und den Empfehlungen des EU Untersuchungsausschusses zu Tiertransporten bezogen.
In 18 Monaten kam in den Anhörungen vor allem durch NGOs ans Licht, was für ein Grauen Langstrecken-Tiertransporte bedeuten, vor allem die, die in die sog. Drittländer gehen. Wir kennen alle die Bilder aus den TV-Dokus und Zeitungsberichten. Die Empfehlungen, der der Ausschuss zur Abstimmung ans EU Parlament gibt, gehen uns bei Weitem nicht weit genug. Vor allem, dass es kein Verbot der Tiertransporte in Drittländer geben soll, erschüttert uns. Wie üblich, werden dafür wirtschaftliche Gründe angeführt. Auch das Verbot von Tiertransporten über 8 Stunden wurde von der Mehrheit abgelehnt. (außer den Grünen und Linken). Auch die schrecklichen Schiffstransporte dürfen weiter gehen. Lediglich zu kleineren Verbesserungen konnte man sich durchringen, wie: strengere Zulassungsbedingungen, mehr Kontrollen, höhere Strafen bei Verstößen. 
Aber wird das den Tieren helfen? 
Nein, denn jeder Transport über lange Zeit ist und bleibt eine Quälerei für die Tiere. 
Im Januar, voraussichtlich am 17.01.2022 wird das EU Parlament über diese soften Empfehlungen abstimmen. Dieses Abstimmung wird Grundlage für die EU Kommission sein, die Tierschutz-Transportverordnung, also die gesetzliche Grundlage, die dann für alle Mitgliedstaaten gilt, zu überarbeiten und die Empfehlungen entsprechend zu berücksichtigen.

12.12.2021

Unser Brief an den neuen Landwirtschaftsminister Cem Özdemir und an den neuen Vorsitzenden des Europaausschusses Anton Hofreiter 

Uns ist wichtig, den jetzt für Tierschutz Verantwortlichen mitzuteilen, was unsere - und die eines Großteils der Gesellschaft - Vorstellungen von einem ethisch angemessenen Umgang mit den Tieren sind.
Die Tiertransporte in Drittländer liegen uns besonders schwer auf der Seele, weil sie mit sie so unfassbar viel Tierleid verbunden sind.
Daher sind wir geschockt, dass weder im Koalitionsvertrag noch auf EU Ebene vom Untersuchungsausschuss zu Tiertransporten ein Verbot dieser Qualtransporte gefordert wird. 
Wir plädieren in unserem Schreiben mit Inbrunst dafür, dass die Politik für ein Ende dieses Leids sorgt. 
Die Zeit, Moral, Vernunft und Empathie wirtschaftlichen Interessen zu opfern, muss endlich vorbei sein! 

OFFENER BRIEF
 

An die Arbeitsgruppen der Koalitionsverhandlungen.
Kein „Weiter so“ im Tierschutz!

Mitteilung aus dem Tierschutznetzwerk „Kräfte bündeln“ vom 12.11.2021:
 
Koalitionsverhandlungen – Positionspapier Kein „Weiter so“ im Tierschutz! des Tierschutznetzwerks „Kräfte bündeln“ als Offener Brief an die Politiker gerichtet

Das Tierschutznetzwerk „Kräfte bündeln“ ist ein Zusammenschluss von über 20 Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen, die sich in gemeinsamen öffentlichkeitswirksamen Projekten und Aktionen für einen nachhaltigen Umgang mit der Natur und für ein Ende der Tierausbeutung einsetzen. Nach dem Appell an die Sondierungsverhandler im Oktober 2021 „Transformation der Tierhaltung nicht ausreichend im Fokus – ein Appell“ [Link auf https://820805a0-5ad0-4cb2-bc9e-581be8b5ff3c.filesusr.com/ugd/d8e3c6_627a31d418aa495cb03da58592378d1b.pdf], wurde pünktlich zum Start der Spitzenverhandlungen im November 2021 ein ausführliches Positionspapier aus dem Tierschutznetzwerk „Kräfte bündeln“ Kein „Weiter so“ im Tierschutz!
veröffentlicht.

 
Das 29-seitige Papier wurde als Offener Brief an die zuständigen Arbeitsgruppen und weiteren Entscheidungsträger übermittelt und enthält detaillierte Forderungen zur Verbesserung des Tierschutzes, die in die Koalitionsverträge aufgenommen und nach Regierungsbildung umgesetzt werden sollen. Das Netzwerk bietet sich dabei als Ansprechpartner an. Es wird kritisiert, dass unsere Mensch-Tier-Beziehung in vielen Bereichen des Umgangs mit unseren Mitgeschöpfen, in der Realität den theoretischen Ansprüchen weit hinterherhinkt. Problembereiche wie Tiertransporte in Drittländer, Schlachtung, Zucht, Haltung von den sog. Nutz-Tieren, Tierversuche oder auch dem Vollzugsdefizit im Tierschutzrecht werden detailiert dargelegt.  Das Positionspapier ist mit zahlreichen Verweisen und Literaturstellen auf Rechtsgutachten, Pressemitteilungen, Aufsätze und andere Publikationen versehen und soll interessierten Personen auch als hilfreiches Kompendium dienen.

Ein Positionspapier aus dem Tierschutznetzwerk „Kräfte bündeln“Download der pdf-Datei hier möglich:
https://820805a0-5ad0-4cb2-bc9e-581be8b5ff3c.filesusr.com...

Link zur Homepage des Tierschutznetzwerks: https://www.tierschutznetzwerk-kraefte-buendeln.de/ 



Unseren Nachbericht zu unserer Veranstaltung am 16.10.2021 in Stuttgart findet Ihr hier:

Worauf wartest Du?

 
Am 16.10.21 werden wir gemeinsam mit anderen Mitaktivisten*innen in Stuttgart abermals auf die Straße gehen.
Ab 11 Uhr geht es am Rothebühlplatz los. 
Es erwarten Euch Redebeiträge in Form von unterschiedlichen Darstellungen und Inhalten (z.B. Geschichten, Gedichte, Hörsatire) Musikbeiträge u.a. von Liedermacherin NETTE und Nash, diverse Performances, wie z.B. die Fleischschale, der blutige Tisch, ein Die-in. Es wird des Weiteren einen speziellen "Performance-Aufzug" (ca. 2,5 km lang) durch Stuttgart geben. 

Wir starten mit dem Aufzug um 11:45 Uhr.

Der Grund dieser Veranstaltung:
Das Ergebnis der #btw21 lässt nichts Gutes oder Hoffnungsvolles für die Zukunft vermuten. Zumindest nicht, wenn es um die Tiere geht. Die maßlose Ausbeutung und der Missbrauch an unschuldigen Lebewesen wird seitens der künftig Regierenden weiterhin ignoriert werden, sodass wir von dieser Seite aus nichts erwarten können. Da sind wir realistisch. Es liegt also an uns. WIR machen weiter und möchten andere Menschen von unserer Vorstellung, dass Tiere einen respektvollen Umgang, ein Recht auf Unversehrtheit, Leben und Freiheit verdient haben, überzeugen und sie im besten Fall dazu motivieren, sich uns anzuschließen. Ganz nach Gandhi: „Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie die Tiere behandelt.“
Rechte für Tiere sind auch Menschenrechte. Kümmern wir uns und beschützen Tiere vor Ausbeutung und Missbrauch - sprich, wenn Tiere nach ihren Interessen und Bedürfnissen leben dürfen und sie nicht für menschliche Bedürfnisse ausgenutzt werden - wird das letztendlich auch uns Menschen zugute kommen. Es wird Zeit, dass Menschen diese Zusammenhänge begreifen. 

"....Es geht darum, ein Unrecht zu korrigieren - sich zu weigern, etwas zu nehmen, was uns niemals gehörte. Es geht um Anerkennung und Respekt für das Leben. Es ist keine weichgespülte Philosophie. Es erfordert ein starkes Rückgrat und eine laute Stimme, die Welt zu verändern." (Luann Webber)
Ihr Zitat bezieht Webber auf den Veganismus und somit in erster Linie auf die Tiere.

Also, WORAUF WARTEST DU?

Allgemeine Hinweise:
1. Wir freuen uns über jegliche Unterstützung.
Personen und Gruppierungen, die eine rechte, rassistische, homophobe oder sexistische Weltanschauung vertreten, sind bei unseren Veranstaltung ausdrücklich jedoch nicht erwünscht.
2. Wir beachten die jeweils aktuellen Regeln zu den Coronamaßnahmen. 
Bitte tut Ihr es auch.